Verbraucher können mit „Smart Home“ nichts anfangen

6. April 2016, 16:37

„Smart Home Technologie verkauft sich lange nicht so wie sie es könnte, obwohl technische Standards gesetzt und kundenrelevante Produkte auf dem Markt sind. Es gibt großes Potenzial, aber irgendwo hakt es“, stellt Dr. Wolfgang Neubarth von der Technologiemarktforschung bei der Gesellschaft für Konsumforschung GfK  fest. Er stützt seine Erkenntnisse auf Markterhebungen von über 370.000 Handelspartnern sowie auf aktuelle GfK-Studien . Das Presseteam der Nürnberger Messe ifh Intherm führte mit ihm ein Interview.

Herr Neubarth, in ihrem Vortrag auf der IFH/Intherm haben Sie erläutert, was sich Konsumenten von intelligenter Haustechnik erwarten. Welche Wünsche sind das?
Der Konsument möchte Sicherheit, Kontrolle, Komfort, Spaß an der Technik, aber auch ein bisschen Luxusempfinden. Es geht um Modernität und letzten Endes um Erleichterung im Alltag. Im Moment wird Konsumenten oft eine XY-Technik angeboten, deren Funktionsweise nicht verstanden und Nutzen nicht erkannt wird. Sie fragen sich zum Beispiel ‚Was bringt mir eine fernsteuerbare Wärmepumpe?‘ Dabei gibt es etliche Konsumentenwünsche, auf die Smart Home Technologie heute bereits eine smarte Antwort besitzt.

Wie sehen diese Antworten im Bereich Sanitär, Heizung und Klima aus?
Es gibt bereits Heizungsanlagen, die mit den Smartphones der Hausbewohner vernetzt sind. Sobald alle Bewohner das Haus verlassen haben, drosselt die Heizung ihre Leistung. Nähert sich einer der Bewohner dem Haus, fährt die Heizung ab einer bestimmten Entfernung wieder hoch. Bei konstanter Wohlfühltemperatur wird zudem Energie gespart. Und die Zukunft hält weitere Innovationen bereit, die das Leben um Vieles erleichtern.

Was sind die Innovationen 2016?
Im Bereich smarter Raum- und Klima-Technik lassen modulare Beleuchtungs- und Beschattungssysteme Jalousien bei direkter Sonneneinstrahlung im Sommer herunter fahren und im Winter hoch, so dass bei optimaler Klimatisierung Energiekosten gespart werden. Im Sanitärbereich gewährleisten Warm-up und Verbrühschutz die konstante, individuelle Wohlfühltemperatur des Wassers. Zudem schützen smarte Installationen vor Legionellen. Im Bereich Smart Energy sind nicht nur Batteriesysteme im Kommen, sondern auch Steuereinheiten für Solarmodule mit einem aktiven Energiemanagement von Solaranlage, Wärmepumpe und Heizkessel.

Und was wird aktuell gekauft?
Derzeit werden vorwiegend Entertainment und Control Devices, sprich Fernseher, Router und Gateways verkauft. Das ist nicht dem Smart Home Trend geschuldet, sondern der Tatsache, dass aktuelle Modelle per se smart sind. Die Verkaufszahlen echter Smart Home Devices zum Beispiel im Bereich Heimautomatisierung und Sicherheit weisen mit 35 Prozent ein dynamisches Wachstum im Vergleich zum Vorjahr auf, sind aber mit gerade einmal 32.600 Produkten Juni 2015 auf niedrigem Niveau. Dabei standen vorwiegend Überwachungskameras, smarte Ambiente-LEDs und Detektoren auf dem Einkaufszettel der Deutschen.

Woran liegt das? Was sind die Hauptbarrieren?
Unsere Studien förderten interessante Erkenntnisse zutage. Smart Home ist aktuell ein Buzz-Word der Medien. Die Mehrheit hat schon einmal etwas davon gehört oder gelesen. Wenn wir in unseren Befragungen jedoch nachhakten, konnten 72 Prozent der Haushaltsentscheider nicht erklären, was genau sich dahinter verbirgt. Verbraucher geben bei der Frage, warum sie keine Smart Home Devices besitzen, Kosten und den Datenschutz an. Ja, die Deutschen fürchten sich vor Datenphishing und dass sich ein Fremder in ihr Zuhause hackt. An diesen Themen muss gearbeitet werden, jedoch ist fehlende Kommunikation das Haupthemmnis.

So raten Sie Handwerk und Handel zu mehr Aufklärung?
Ja, genau. Derzeit ist häufig die einzige Informationsquelle das Internet. Der einzelne Hausbauer, Sanierer oder Modernisierer hat keine Lust, sich mit den technischen Details auseinanderzusetzen. Will er sich auf anderem Weg schlau machen, findet er selten einen kompetenten Ansprechpartner. Hier ist ein enormer Informationsbedarf, damit das Marktpotential der Smart Home Technologie in Zukunft erschlossen wird. Im Bereich intelligenter Gebäudeautomatisierung besitzen Bauherren, Architekten und das Handwerk zudem Gatekeeper-Funktion. Schließlich empfehlen sie die einzubauende Technik oder geben sie vor. So liegt es an ihnen, ihrer Kompetenz und ihrer Kommunikation, ob Eigentümer in Zukunft smart bauen und wohnen.

 

Ein Gedanke zu „Verbraucher können mit „Smart Home“ nichts anfangen

  1. Dietmar Lücking

    Guten Tag, smarthome krankt an den nicht (ausreichend) vorhandenen Produkten. In vielen Fällen nicht bis zum Ende gedachten Insellösungen und dem fehlenden Service durch die Anbieter. Heizungssteuerung ist ein Beispiel was funktioniert, aber wo liegt der Mehrwert wenn eine gute Anbindung anderer Produkte fehlt. Anstelle des Awards sollte man eine Smartphone-Zitrone verleihen. Vorschlag Telekom Qivivcon Anbindung von Funkaktoren nur mit mechanischen Taster möglich, der anschließend nicht mehr benötigt wird.
    Beste Grüße Dietmar Lücking

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